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Wenn der Lärm unerträglich wird: Was Sie tun können

Auch Lärmquellen, auf die der Vermieter keinen Einfluss hat, rechtfertigen unter bestimmten Umständen eine Minderung der Miete. Foto: Pixabay (public domain)
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RegionalLeben.de zeigte im letzten Artikel die Ruhezeiten der Region auf. Doch was kann man machen, wenn es trotzdem zu einer Lärmbelästigung kommt. Sei es durch schlecht isolierte Wohnungen, Baustellenlärm oder Nachbarn, die eine Party nach der anderen feiern. Wir haben für Sie einige Szenarien durchgespielt und hier Tipps und Tricks zusammengetragen.

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Ruhezeiten

Zusätzlich zu den von dem Land Niedersachsen, den Städten und Gemeinden vorgegebenen Ruhezeiten, gelten für Mieter auch die in der durch den Vermieter oder die Hausverwaltung herausgegebenen Hausordnung festgelegten Ruhezeiten.

Hellhörige Wohnung

Da kann der Nachbar noch so leise sein und auf Zehenspitzen durch seine Wohnung schleichen, Sie bekommen trotzdem jeden Gang in die Küche, den Flur oder zur Toilette mit. Von den Kindern ganz zu schweigen. Was kann man da tun? Dem Nachbarn kann man ja schlecht verbieten, sich innerhalb seiner Wohnung frei zu bewegen. Als erstes gilt es zu hinterfragen, ob in der Nachbarwohnung ein Bodenbelag mit Trittschallwerten nach DIN 4109 verlegt worden ist. Ist dies nicht der Fall, muss nachgebessert werden und der Vermieter ist in der Pflicht. Allerdings ist der Vermieter frei in der Wahl des Bodenbelags. Auch muss er sich nicht an der aktuell gültigen Norm der Trittschallwerte orientieren, sondern lediglich unter den Grenzwerten bleiben, die in der Norm zur Zeit der Errichtung des Gebäudes maßgeblich waren. Hält der Bodenbelag die Trittschallwerte ein, weist die Verbraucherorganisation „Stiftung Warentest“ darauf hin, dass ein Vermieter nicht dazu verpflichtet ist, eine zusätzliche Schallisolierung anzubringen, wenn Ihre Wohnung hellhörig ist. Es gibt für den Mieter demnach keine Grundlage für eine Mietminderung.

Letzte Instanz – Mietminderung

Als Mieter können Sie bei anhaltendem Lärm eine Mietminderung (Minderung der Warmmiete) geltend machen. Neben Lärmquellen, bei denen der Vermieter in der Pflicht ist sie zu beseitigen (etwa Geräuschstörungen durch Heizung, Wasserleitungen und Aufzug) rechtfertigen auch Lärmquellen, auf die der Vermieter keinen Einfluss hat, unter bestimmten Umständen eine Minderung der Miete. Maßgeblich für die Zulassung einer Minderung ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Lärmquelle. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Baustelle vor dem Haus. Bestand die Baustelle bereits vor Bezug der Wohnung, konnte der Mieter mit einer Lärmbelästigung rechnen und hat aufgrund dessen kein Recht die Miete zu mindern. Wurde die Baustelle hingegen erst nach dem Einzug eingerichtet und der Mieter vor dem Einzug nicht davon in Kenntnis gesetzt, kann dieser die Miete entsprechend mindern.

Rechtliche Möglichkeiten

Feiern die Nachbarn eine nächtliche Party nach der anderen, gibt es in der Nachbarwohnung immer wieder lautstarken Ehekrach oder übt jemand zu unmöglichen Zeiten Klavier, Geige oder gar Schlagzeug? Muss ich das als Nachbar dulden oder besser gesagt ertragen? Kann man sich nicht mit seinen Nachbarn in einem Gespräch einigen, bleibt einem oft nur noch der Anruf bei der Polizei. Zumindest für den akuten Fall. Langfristig können Sie beim Vermieter Beschwerde gegen den Unruhestifter einlegen, damit der Vermieter diesen dann abmahnen und gegebenenfalls wegen fortgesetzter Störung des Hausfriedens kündigen kann. Eine weitere Möglichkeit gegen ruhestörende Nachbarn vorzugehen, ist eine Unterlassungsklage einzureichen. Die Schwierigkeit liegt hierbei oftmals in der Beweislast. Ein „Lärmtagebuch“, in das unter anderem auch Zeugen eingetragen werden, kann helfen. Besser ist in allen Fällen, sich mit seinen Nachbarn einig zu werden und eventuell auch die Hilfe von einem Ombudsmann des Ordnungsamtes in Anspruch zu nehmen. Dieser vermittelt im besten Fall zwischen der zerstrittenen Nachbarschaft.
Bei weitergehenden Fragen zu dieser Thematik empfehlen wir, Kontakt mit dem Ordnungsamt oder einem (Fach-) Anwalt aufzunehmen.

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