Sanieren – Problemstoff Asbest

Als Welldach ist Asbest sofort erkennbar. Oft versteckt es sich aber in Fugen oder unter Böden. Die IG BAU will das gefährliche Material rasch aus dem Verkehr ziehen – per staatlicher Prämie. Foto: IG BAU
Asbest ist auch nach fast 30 Jahren seines Verbotes allgegenwärtig - als Altlast auf Dächern, in Fassadenverkleidungen, in Nachtspeicheröfen, als Bodenbelag oder gar im Wandputz. Darum ist es gut zu wissen, auf was man im Umgang mit Asbest achten muss.

Was ist Asbest? Wo wurde es eingesetzt?

Bei Asbest handelt es sich laut Bundesumweltamt um die Bezeichnung für eine Gruppe natürlich vorkommender, feinfaseriger Minerale. Die Besonderheit von Asbest liegt in seiner Beständigkeit gegenüber Hitze und vieler Chemikalien. Außerdem verfügen die Silikatfasern eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit. Alles Eigenschaften, die diesen Werkstoff so attraktiv machten. Gesundheitsrisiken wie Asbestose und bestimmte Formen von Krebs durch unsachgemäßen Umgang und dem folglichen Einatmen der Asbestfasern zum Trotz. Die Herstellung asbesthaltiger Produkte hatte ihre Hochzeit in den 60er bis 80er Jahren. Asbestzement hat dabei vielfältige Formen angenommen: ob als Blumenkästen, Dachabdeckungen oder Fassadenplatten. Spritzasbest wurde als Wandputz für den Brandschutz und zur Isolierung vor allem in Gebäuden eingesetzt und das in schwachgebundener Form. Ebenfalls weit verbreitet ist Asbest auch heute noch als Altlast in Elektro-Nachtspeicherheizungen und Fußbodenbelägen wie Linoleum-Böden und Fliesen.

Asbest – ein Problem auch in unserer Region

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entstanden im Landkreis Helmstedt allein zwischen 1960 und 1979 – in der Hochphase der Asbest-Zeit – rund 8.000 Wohngebäude. „Ein Großteil davon dürfte immer noch mit dem Baustoff belastet sein“, schätzt IG BAU Bezirkschef Karl-Heinz Ehrenberg. Die Spätfolgen seien bis heute spürbar: „Das Einatmen von Asbeststaub kann zu Asbestose, Lungen- oder Kehlkopfkrebs führen.“ Laut Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) erkranken im Zusammenhang mit Asbest jedes Jahr fast 4.000 Menschem. „Wir brauchen eine Sanierungs- und Abwrackprämie für Asbest“, so der Gewerkschafter. Zwar sei der Bau mit Asbestfaser seit 1. November 1993 verboten. Risiken berge allerdings der heimische Altbaubestand. „Hausbesitzer schrecken bislang oft vor den hohen Kosten der Entsorgung zurück. Damit bleibt das Problem auch 30 Jahre nach dem Asbest- Boom aktuell“, sagt Ehrenberg. „Wer sich für eine Sanierung entscheidet, kann zwar Fördermittel bei der KfW-Bank bekommen. Doch auf der teuren Asbest-Entsorgung bleibt der Hausbesitzer meist sitzen. Hier können schnell ein paar Tausend Euro zusammenkommen.“ Die Folge: Das Material bleibe oft an der alten Stelle im Haus. Wenn saniert werde, lande es manchmal sogar im Hausmüll.

Asbest erkennen

Und genau das ist das Problem: Asbest ist so vielfältig, dass es nicht immer leicht auszumachen ist. Ist man sich unsicher bezüglich eines Werkstoffes, so ist es ratsam den Profi zu befragen. Wie uns die Stadt Salzgitter auf Nachfrage mitteilte, ist das Gesundheitsamt hier nur beratend-informativ für Privatpersonen tätig, da es keine Privatfirmen/Gutachter ersetzen darf. Bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im privaten Umfeld können externe Sachverständigenbüros beauftragt werden, die entsprechende Untersuchungen durchführen. Hierfür existieren zahlreiche Sachverständigenbüros für Gebäudeschadstoffe beziehungsweise Schadstoffe in Innenräumen. Eine Übersicht einiger dieser Sachverständigenbüros könne beispielsweise auf den Seiten der AGÖF (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. – www.agoef.de) oder auch des VDB (Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e.V. – http://www.baubiologie.net/) eingesehen werden.

Entsorgung von Asbest – nur für Profis

Wurde Asbest bei der Renovierung doer Sanierung vorgefunden, so richtet sich dessen Abbau und Entsorgung nach der Art der Bindung. Während schwachgebundener Asbest, welcher vor allem in Dämmplatten in Nachtspeichergeräten, Heizkörperverkleidungen, Feuerschutzplatten oder als Spritzbeton vorkommt, grundsätzlich nur von Fachfirmen, die über einen Fachkundelehrgang nach TRGS 519 verfügen, abgebaut und entsorgt werden darf, kann festgebundener Asbest unter Einhaltung der Vorschriften auch von Privatpersonen transportiert und entsorgt werden. Dies gilt allerdings nur für Kleinmengen bis zu einer Tonne. Im Entsorgungszentrum Salzgitter besteht zum Beispiel die Möglichkeit spezielle Big Bags mit Asbestkennzeichnung in verschiedenen Größen zu kaufen. Damit ist es möglich als Privatperson ordnungsgemäß zu entsorgen. Beim Umgang mit Asbest ist unter anderem auf das Tragen von Schutzkleidung zu achten (Schutzanzüge und -masken P2) und die Asbestprodukte feucht zu halten. Eine Beschädigung der asbesthaltigen Produkte, wie abschleifen, zerbrechen, abbürsten oder werfen, ist beim Abbau unbedingt zu verhindern. Außerdem dürfen Arbeiten nur unter Aufsicht einer sachkundigen Person durchgeführt werden. Also lieber gleich den Profi ranlassen.

IG BAU fordert Abwrackprämie für Asbest

Weil das aber vor allem durch die hohen Entsorgungskosten von etwa 150 Euro pro Tonne schnell richtig teuer wird, fordert die IG BAU eine „Abwrackprämie“ für den Problemstoff Asbest. „Mit einer Abwrackprämie kann die Politik einen direkten Beitrag für mehr Gesundheitsschutz leisten. Davon würden im Landkreis Helmstedt Hausbesitzer, Mieter und Bauarbeiter gleichermaßen profitieren,“ betont Ehrenberg. Denkbar sei ein eigenes KfW-Förderprogramm für Asbest. Per Zuschuss könnte Hauseigentümern somit ein Großteil der Entsorgungskosten erstattet werden.

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