Kitaplätze sind Mangelware in unserer Region

In den Kitas unserer Region wird es eng. Symbolfoto: Anke Donner
Kita-Plätze - überall in unserer Region heiß begehrt, da Mangelware! Wir haben uns einmal umgesehen, um herauszufinden, wie es um die Unterbringung des Nachwuchses in unseren Städten steht. Soviel vorweg - wer einen Kitaplatz für sein Kind ergattert hat, der darf sich glücklich schätzen.

Gifhorn

In Gifhorn ist die Stadt gefordert, dem Mangel an Kita-Plätzen Abhilfe zu schaffen. Laut Verwaltung seien zum Kita-Jahr 2018/19 bis dato insgesamt 681 Anmeldungen, davon 198 Krippen-, 445 Kindergarten und 38 Hortanmeldungen, eingegangen. Das Problem: Nach Vermittlung der freien Plätze sind noch 100 Anmeldungen in der Schwebe.

Wie die Stadt Gifhorn in ihrer Vorlage erklärt, wurden die Erstwünsche der Eltern in 137 Krippen-, 330 Kindergarten- und 37 Hortfällen bereits berücksichtigt. Elf Familien mussten demnach eine Absage erteilt werden, da der Wohnsitz außerhalb der Stadt Gifhorn liegt. 56 Anmeldungen für einen Krippenplatz und 110 für einen Kindergartenplatz würden sich zudem in der Vermittlung befinden.

Um nun auch die erforderlichen vier Krippen- und drei Kindergartengruppen, die zur Zeit noch fehlen, zur Verfügung stellen zu können, schlägt die Verwaltung folgende Maßnahmen vor:

Einrichtung einer Krippengruppe in den Räumlichkeiten der Kinderkrippe Miteinander

Durch den Umzug der Kinderkrippe Miteinander in die Räumlichkeiten der ehemaligen Kindertagesstätte Gifhörnchen (Bergstraße 25) werden laut Verwaltung Krippenräumlichkeiten frei, die geeignet für eine Krippengruppe seien. Derzeit prüfe die Verwaltung, ob der Eigentümer der Immobilie bereit sei, die Räumlichkeiten wie bisher als Krippe zu vermieten. Es sei demnach lediglich Mobiliar und pädagogisches Material für den Betrieb einer Krippe anzuschaffen.

Einrichtung einer Krippengruppe im Sonnenweg 12:

Die bisherige Planung der Verwaltung sieht vor, dass der muslimisch-christliche Kindergarten „Abrahams Kinder“ in den Räumlichkeiten im Sonnenweg 12 am 1. August mit einer altersübergreifenden Gruppe startet. Jedoch liege derzeit lediglich eine Anmeldung mit Erstwunsch „Abrahams Kinder“ vor, so dass der Start des Kindergartens fraglich ist. Die Initiatoren des Projektes seien bereits darüber informiert, dass bis zum 4. April  die Entscheidung getroffen werden musste, ob das Projekt am Standort Sonnenweg 12 realisiert wird. Andernfalls sei aus Sicht der Verwaltung dieser Standort für eine Krippengruppe prädestiniert, da die baulichen Voraussetzungen gegeben seien. Auch hier wäre lediglich Mobiliar und pädagogisches Material für den Betrieb einer Krippe anzuschaffen, so die Verwaltung.

Errichtung einer Kindertagesstätte mit drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen im Bereich des Bolzplatzes des Sportzentrums Süd:

Um kurzfristig den Rechtsanspruch erfüllen zu können, sei nach Vorstellung der Verwaltung ein modularer Bau der Kindertagesstätte denkbar, der den Anforderungen des Niedersächsischen Gesetzes über Tagesbetreuung für Kinder und der Verordnung über Mindestanforderungen an Kindertagesstätten entspreche.

Der Kostenpunkt

Neben den Kosten für die Errichtung der Kindertagesstätte in Modulbauweise würden laut Verwaltung Kosten für die Ausstattung der vier Krippen- und drei Kindergartengruppen sowie laufende Betriebskosten der jeweiligen Gruppen entstehen. Für den zusätzlichen Bedarf an Betreuungsplätzen stehen demnach im Haushalt insgesamt 1.000.000 Euro zur Verfügung. Nach abschließender Kostenberechnung müssen allerdings überplanmäßige finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Goslar

In Goslar ist das Limit der Kitaplätze bereits seit Längerem erreicht. Die Anzahl der Kinder steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an. Das geht aus dem KiTa-Situationsbericht 2017 bis 2023 hervor, in dem für die kurz- und mittelfristige Planung der Bedarf an Krippen- und KiTa-Plätzen dargestellt wird. Der aktuelle Bericht kommt zu dem Schluss, dass neue Kindertagesstätten errichtet werden müssen.

Im Geburtenjahrgang 2016/2017 seien erstmals seit vielen Jahren wieder mehr als 400 Kinder geboren worden. Zeitgleich steige die Zahl der Kinder in der Stadt kontinuierlich durch Zuzüge. Da jedoch eine Vorhersage von weiteren Zuzügen oder die Frage, ob die Familien in der Stadt bleiben, nur schwer zu beantworten sei, müsse die Planung der Kinderbetreuung in einem hohen Maße flexibel sein.

Zur Zeit fehlen in Goslar rund 89 Krippenplätze. Trotz der beschriebenen Prognoseunsicherheit wird in dem Bericht davon ausgegangen, dass die Zahl der fehlenden Krippenplätze bis zum Kindergartenjahr 2019/2020 auf 112 Plätze ansteigen wird.

Bei den Kindertagesstätten sieht die Situation ähnlich aus. Spätestens bis zum Kindergartenjahr 2019/2020 geht der Bericht von 77 fehlenden Kindergartenplätzen aus. Und auch diese Zahl wird voraussichtlich steigen, im Jahr 2022/2023 könnten es bereit 124 Plätze sein.

Kapazitäten sind aufgebraucht

Aufgrund des jetzt schon bestehenden Plätzemangels weichen viele Familien auf Betreuungsplätze in der Tagespflege aus, weshalb auch dort die Kapazitätsgrenzen erreicht werden.

Auch ein Anbau von zusätzlichen Gruppen- oder Nebenräumen ist aufgrund der Grundstücksgröße nur noch in Einzelfällen möglich. Deshalb müssen laut des KiTa-Situationsbericht bis zum Kindergartenjahr 2022/2023 zusätzliche Kindertagesstätten errichtet werden.

Salzgitter

Bereits 2017 war klar, dass rund 340 Kindern zwischen 3 und 6,5 Jahren derzeit kein Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt werden kann. Seit Februar 2018 ist klar, dass es um insgesamt 582 Plätze geht. Das geht aus dem Kindertagestätten-Bedarfsplan der Stadtverwaltung hervor, der den politischen Gremien vorliegt.

Schwerpunkt hinsichtlich der fehlenden Plätze ist dabei laut Stadtverwaltung insbesondere der Planungsbereich Nord mit Lebenstedt inklusive des Fredenbergs. „Die Hauptursache liegt in dem seit rund zwei Jahren zu beobachtenden verstärkten Zuzug von Menschen mit Fluchterfahrung sowie Personengruppen aus anderen Kommunen bundesweit, die den in Salzgitter nach wie vor vorhandenen preisgünstigen Wohnraum in Anspruch nehmen“, so die Verwaltung.

Betroffen von den Auswirkungen des Angebotsengpasses in Lebenstedt und im Fredenberg seien auch die Kinder, die nicht in den Kindertagesstätten des „traditionell unterversorgten“ Planungsraumes Nordwest untergebracht werden können. „Hier ist für die Planungsüberlegungen der Folgejahre zu berücksichtigen, dass in der Kita Lichtenberg keine Krippenplätze vorhanden sind, so dass die Eltern auf das Angebot im angrenzenden Fredenberg zurückgreifen müssen“, schreibt die Verwaltung.

Wolfenbüttel

Wie die Stadt in ihrem aktuellen Verwaltungsbericht mitteilte, sind die Betreuungsplätze in der Stadt beinahe vollständig ausgelastet. Insgesamt stehen in den Einrichtungen, die in der Trägerschaft der Stadt sind, 1.316 Betreuungsplätze zur Verfügung.

Wie die Verwaltung berichtet, seien die Kitas im vergangenen Jahr – wie auch in den Jahren zuvor – fast vollständig ausgelastet gewesen. Die in der Stadt Wolfenbüttel vorhandenen 2.074 Betreuungsplätze in den städtischen Tageseinrichtungen und Tageseinrichtungen in freier Trägerschaft verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Betreuungsformen: 1.374 Kindergartenplätze, 332 Krippenplätze, 368 Hortplätze. In städtischer Trägerschaft befinden sich hiervon 1.316 Betreuungsplätze.

Die erhöhte Nachfrage im Krippenbereich konnte laut Verwaltung durch die Neueinrichtung einer Krippengruppe für 15 Kinder in Leinde und weiteren sechs Plätzen in der Kita Geibelstraße abgedeckt werden, im Hortbereich wurden zusätzliche Plätze in der Kita Fümmelse, Kita Salzdahlum und Kita Martin-Luther geschaffen. Die Planung der Betreuungsplätze soll sich auch zukünftig am Bedarf orientieren und in enger Abstimmung mit der Jugendhilfeplanung des Landkreises erfolgen.

Hervorzuheben sei, dass der Ausbau der Krippenangebote durch Weiterbildungen qualitativ abgesichert werden könne.  Erzieherinnen und Erzieher in den Krippen würden an verschiedenen Langzeit-Fortbildungen teilnehmen, um fachlich qualifiziert für die Betreuung der unter dreijährigen Kinder ausgebildet zu sein.

In Kitas investiert

Um zukünftig die Kinderbetreuung in der Stadt sicherstellen zu können, wird fortlaufend in die Instandhaltung und Erweiterung der Kitas investiert. Auch im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Maßnahmen durchgeführt. So wurde nach einem Wasserschaden in der Kita Alter Weg Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Einrichtung erhielt ein neues Dach und die Außenanlagen wurden hergerichtet.  Eine Innenraumsanierung und Überarbeitung des Außengeländes kam der Kita Am Hopfengarten zugute. An der Kita Halchter wurde die Fassade saniert und die Kita Kleine Breite erhielt ein zweites Personal-WC. Außerdem wurde der Bürotrakt saniert. Die Kita Leinde wurde im Gebäudebestand um einen Krippenraum einschließlich Nebenräumen erweitert. Das Büro der Einrichtung so wie die Außenanlagen wurden der Nutzungsausweitung angepasst. Hierzu war eine Überarbeitung der Strom-, Sanitär- und Heizungsanlage erforderlich. In der Kita Linden wurde in drei Gruppenräumen das Parkett erneuert und Küchenmöbel ausgetauscht. Waschräume und Entwässerungsleitungen der Kita Martin Luther wurden saniert. Akustische Ertüchtigungen der Gruppenräume, so wie Erneuerung von zwei Außentüren und
Fassadenarbeiten wurden in der Kita Salzdahlum ausgeführt. Zudem wird derzeit noch am Neubau einer dreigeschossigen Kindertagesstätte mit einer Grundfläche von zirka 2.000 Quadratmeter Am Sonnenhang gebaut. Die Einrichtung soll aller Voraussicht nach zu Beginn des Jahres 2018 in Betrieb gehen.

Schulgesetznovelle stellt KiTa-Platz Vergabe vor Probleme

In der neuen niedersächsischen Schulgesetznovelle hat die Landesregierung für die Einschulung eine Übergangszeit eingeführt. Wenn die Kinder zwischen Juli und September Geburtstag haben, können die Eltern entscheiden, ob diese direkt oder ein Jahr später eingeschult werden. Das dürfte bei der Vergabe der Kita-Plätze zusätzliche Probleme bereiten.

In Wolfenbüttel stehen laut eigenen Angaben die Eltern von ungefähr 100 Kindern vor der Wahl. Auch in Salzgitter könnten nach Angaben der Verwaltung etwa 100 bis 120 fehlende Plätze aufgrund der Rückstellung von schulpflichtigen Kindern zustande kommen. Insbesondere zugezogene Familien würden geschätzt die Sprachförderung in den KiTas vor der Einschulung nutzen wollen.

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