Illegale Entsorgung von Gartenabfällen gefährden unsere Wälder

Damit das Ökosystem Wald in seiner Natürlichkeit erhalten bleibt, darf es nicht als kostenlose Grünschnitt-Deponie missbraucht werden. Foto: Alec Pein
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Mit dem einziehenden Herbst finden auch die letzten Rückschnitte von Hecken und Bäumen statt. Zusätzlich fällt nun immer mehr Lauf an, das entsorgt werden will. Dies kann man entweder über die Biotonne, den eigenen Kompost oder über die Grünschnittannahmestellen der örtlichen Deponien tun. Doch viele Mitbürger scheuen sich nicht, den Wald als kostenlose Grünschnittdeponie zu wählen. Mit ernstzunehmenden Folgen für die Natur.

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„Denn der Trugschluss“, so NABU-Mitarbeiter Henning Riechers gegenüber regionalHeute.de, „ist, dass die Leute denken, dass es harmlos oder sogar positiv sei, Gartenabfälle in Wald und Flur kippen. Aber das stimmt eben nicht.“ Er erinnerte daran, dass dies niemand tun sollte, auch dann nicht, wenn man die Abfälle großflächig auf dem Waldboden verteilt.

Der Boden unter den Abfällen erstickt wegen Sauerstoffmangel

„Um diese Jahreszeit kann man solchen unerlaubten Komposthaufen an den Waldrändern beim Wachsen zusehen“, äußert sich der NABU Niedersachsen besorgt. Viele Mitbürger seien sich der Konsequenzen nicht bewusst. Die meisten Waldböden seien von Natur aus nährstoffarm. Eine Entsorgung von Gartenabfällen im Wald gleiche einer hochdosierten Düngung des Bodens. Der Boden unter den Abfällen ersticke wegen Sauerstoffmangel und in der Folge verschwänden die typischen heimischen Pflanzenarten. Während der Verrottung des Gartenschnitts werde unter anderem Stickstoff freigesetzt, der das Wachstum stickstoffliebender Pflanzen begünstige.

Pflanzen und Tiere betroffen

Unterstreichen möchte Riechers vor allem den Aspekt der Gefahr des Einschleppens fremder Arten, zum Beispiels des Japanknöterichs. Die Menschen würden sich zwar mit ihren Gartenpflanzen auskennen, wissen aber häufig nichts über ihre exotische Herkunft und auch nichts über ihr eventuelles Potenzial, sich in der Natur durchsetzungsstark auszubreiten. „Auf diese Weise werden heimische Pflanzen- und auch Tierarten verdrängt. Ja, auch Tierarten, weil diese die exotischen Pflanzen in der Regel nicht als Nahrungsquelle nutzen können“, so Riechers. „Auch zerkleinerter Pflanzenschnitt gehört nicht in die Natur, weil schon, je nach Pflanzenart, kleine Bestandteile genügen können, dass die Pflanze wieder Fuß fassen und sich in der Folge ausbreiten kann“, ergänzt der NABU-Mitarbeiter gegenüber regionalHeute.de. Doch wer sich als Naturfreund im Frühjahr über die Blütenfülle der Buschwindröschen oder Schlüsselblumen unter Bäumen freut, sollte im Sommer bedenken, dass schon eine dünne Schicht hier abgelagerter Gartenabfälle die Vielfalt zerstören kann.

Riechers weiter: „Ganz zu schweigen von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die ihren Gartenschnitt an die Feldränder oder gar in die Gräben schmeißen: Das muss dann spätestens von der Wasserunterhaltung wieder entfernt werden, weil der Wasserfluss gewährleistet sein muss.“

Geringes Vorkommen in der Region

Auch in unserer Region habe Riechers solch eine Abfallentsorgung feststellen können: Weggeworfener Strauchschnitt sowie das Vorkommen vom schon erwähnten Japanknöterich. „Da fragt man sich immer, wie sich die Pflanzen denn an der Stelle ansiedeln konnten, da doch das gar kein Garten ist“, zeigt sich der NABU-Mitarbeiter unverständlich. Die Erklärung sei schlichtweg das Problem der illegalen Grünschnittentsorgung. Zum Glück komme das aber nicht in dem Ausmaß vor, dass man als NABU jetzt einschreiten und aufräumen müssten, aber natürlich ist jeder Fall ein Fall zu viel.

Bußgeld für illegales Entsorgen von pflanzlichen Abfällen

Aufgrund der damit verbundenen Gefährdung des Ökosystems Wald steht das Entsorgen von Gartenabfällen nach Paragraph 37 des Waldgesetzes unter Strafe und kann als eine Ordnungswidrigkeit mit einer empfindlichen Geldbuße geahndet werden: Für die Menge von einem Eimer pflanzliche Abfälle wird laut Bußgeldkatalog ein Bußgeld von 20 bis 40 Euro fällig, für eine Kofferraumladung 40 bis 100 Euro, für eine Lastwagenfuhr 100 bis 500 Euro und darüber hinaus 200 bis 1.500 Euro.

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