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Die Selbstauskunft – Schwindeln erlaubt?!

Vermieter und Verwalter fühlen ihren potentiellen Mietern gerne auf den Zahn. Doch muss man immer ehrlich Auskunft geben? Foto: Alexander Panknin
Bei Wohnungsbesichtigungen stehen die potentiellen Mieter oft Schlange. Nicht selten wird daher von dem Vermieter, Makler oder Verwalter bereits während der Besichtigung eine Selbstauskunft verlangt. Doch müssen alle Fragen auch wirklich ehrlich beantwortet werden oder ist schwindeln erlaubt?

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Fragen an einen potentiellen Mieter zu stellen ist völlig legitim und eigentlich selbstverständlich. Der Vermieter möchte ja nicht die Katze im Sack kaufen, sondern Sie als seinen zukünftigen Mieter etwas kennenlernen. Trotzdem ist das Ausfüllen einer solch mehr oder weniger umfangreichen Selbstauskunft natürlich freiwillig. Weigern Sie sich als Interessent jedoch, die Fragen des Vermieters zu beantworten, wirft dies natürlich weitere Fragen auf und Sie schaffen es sehr wahrscheinlich gar nicht mehr in die engere Auswahl der Wohnungsbewerber. Also sollten schon im eigenen Interesse möglichst alle Fragen des Vermieters beantwortet werden. Nicht alle Antworten müssen dabei der Wahrheit entsprechen. Vor allem bei den sehr persönlichen Themen wie Familienplanung, Vorstrafen oder Religionszugehörigkeit ist Lügen erlaubt und wird von Mietschützern sogar empfohlen.

Zulässige Fragen, die ehrlich zu beantworten sind

Zu den zulässigen Fragen, die Sie als Mieter besser sehr ehrlich beantworten sollten, zählen Fragen zur wirtschaftlichen Lage und auch zu der Personenanzahl, mit der Sie die Wohnung beziehen wollen. Auch ein Hund, der mit in der Wohnung lebt, sollte bei der Selbstauskunft mit angegeben werden. Stellen sich die von Ihnen in der Selbstauskunft gelisteten Angaben im Nachhinein als unwahr heraus, kann dies im schlimmsten Fall mit der Begründung von arglistiger Täuschung zu einer fristlosen Kündigung führen (vor allem bei Falschangaben zum Einkommen). Und auch wenn es nicht zu einer Kündigung kommt, verscherzen Sie es sich doch ganz sicher mit ihrem Vermieter.

Die Angaben zur Person – Name, Anschrift und Geburtsdatum – sind zwingend wahrheitsgemäß zu beantworten. Auch wenn Sie sich als Mietinteressent ihrem Vermieter gegenüber nicht komplett finanziell offenbaren müssen, die Angaben zum Einkommen sowie zur Art und Dauer des bestehenden Arbeitsverhältnisses sind Pflichtangaben und korrekt anzugeben. Diese Angaben verdeutlichen dem Vermieter, ob Sie in der Lage sind, die monatlichen Mietzahlungen zu leisten.

Darüber hinaus muss auch die Angabe der Nutzung richtig angegeben werden. Möchten Sie die Wohnung ausschließlich für private Zwecke oder darüber hinaus gewerblich nutzen?

Hier ist Schwindeln erlaubt

Kein Recht auf Auskunft hat der Vermieter bei Fragen wie etwa zur Häufigkeit von Besuch, zu musikalischen Vorlieben, Hobbys oder gar zur Familienplanung. Auch die Frage, ob man Mitglied in einem Mieterverein ist, ist unzulässig und sollte mit „Nein“ beantwortet werden. Da Schweigen im Gespräch mit Vermietern keine wirkliche Alternative ist, raten Mieterschützer zum Lügen.

Gerne haben Vermieter ruhige, angepasste Mieter, die sich unauffällig verhalten. Darum ist es immer eine gute Idee, als Heavy Metal-Fan dies nicht unbedingt zu offenbaren (es sei denn, der Vermieter ist ebenfalls einer) und eher mit der Radio-Antwort um die Ecke zu kommen. Auch die Frage zur Tierliebe lässt sich elegant lösen, indem man beispielsweise antwortet, dass man Tiere zwar sehr mag, aber beruflich so eingespannt ist, dass man selbst kein Tier halten kann. Beim Thema „Familienplanung“ sollte man zwar lügen, sollte für sich selbst jedoch auch abwägen, ob man in eine Hausgemeinschaft ziehen möchte, in dem Kinder nicht erwünscht und im besten Fall geduldet sind.

Fragt der Vermieter nach Vorstrafen, können Sie auch hier in jedem Fall getrost mit „Nein“ antworten.

Ehrlich währt am längsten

Anders sieht es beim Thema „Rauchen“ aus. Hier lässt allein die Frage nach dem Status Nichtraucher/ Raucher darauf schließen, dass dem Vermieter ein Nichtraucher lieber wäre. Sind Sie allerdings Raucher und geben sich als Nichtraucher aus, belastet dies im Falle des Falles das Verhältnis zum Vermieter nachhaltig und kann unter Umständen (Sanierungsbedarf aufgrund von durchschlagendem Nikotin in den Wänden) sogar als arglistige Täuschung angeführt werden. Hier sollten Sie dann doch lieber ehrlich agieren.

Es empfiehlt sich immer abzuwägen, welche Antwort auf lange Sicht sinnvoller ist. Kommt eine Lüge heraus, schadet das mit Sicherheit Ihrer Glaubwürdigkeit und der Vermieter wird eventuell auch andere von Ihnen gemachte Angaben zukünftig hinterfragen. Wenn Sie sich unsicher sind, ob und wann eine Lüge erlaubt ist, sollten Sie den Weg der Ehrlichkeit wählen oder sich an die örtlichen Mietervereine oder auch die Mietrechtsberatung der Verbraucherzentrale wenden.

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