Die Region stellt sich vor: Der Drömling

Der Drömling hat nicht nur eine Bedeutung als Naherholungsgebiet. Symbolfoto: Anke Donner
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Der Drömling ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, das sich unter anderem über die Landkreise Gifhorn, Helmstedt und die Stadt Wolfsburg erstreckt. Das "Land der 1.000 Gräben und feuchten Wälder", was zum größten Teil als Landschafts- und Naturschutzgebiet gekennzeichnet ist, kann auf ausgewiesenen Rad- und Wanderwegen erkundet werden. Um der Bedeutung des Drömlings mit seiner reichhaltigen Naturausstattung als Gebiet von gesamt-staatlicher Bedeutung Rechnung zu tragen, haben sich die Landkreise Gifhorn und Helmstedt sowie die Stadt Wolfsburg zusammengeschlossen und wollen einen Antrag auf Anerkennung des Drömlings als Biosphärenreservat bei der UNESCO auf den Weg bringen.

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Einzigartige Niedermoorlandschaft

Beheimatet ist der Drömling im Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Der größte Anteil des circa 340 Quadratkilometer umfassenden Niederungsgebiets zählt zum Bundesland Sachsen-Anhalt. Aber auch in Niedersachsen hat der Drömling mit einem Flächenanteil von etwa 60 Quadratkilometern eine große naturhistorische Bedeutung, die es zu schützen und zu erhalten gilt. Gekennzeichnet ist der Drömling durch seine in Deutschland einzigartige Niedermoorlandschaft. Neben Bruchwaldbeständen und Großseggenriedern haben vor allem die Feuchtwiesen und -weiden eine bundesweite Bedeutung. Frühzeitig wurden deshalb Naturschutzgebiete mit Betretungsverbotszonen und weitläufige Landschaftsschutzgebiete eingerichtet.

Ausgewiesene Naturschutzgebiete

Kaiserwinkel

Im Landkreis Gifhorn findet sich das nördlichste Naturschutzgebiet im Drömling mit einer Fläche von etwa 407 Hektar – der „Kaiserwinkel“. Es ist südöstlich der Ortschaft Kaiserwinkel gelegen und gehört vollständig zum FFH-Gebiet 92 „Drömling“ und zum EU-Vogelschutzgebiet V 46 „Drömling“. Der „Kaiserwinkel“ bietet mit seinen unterschiedlich stark entwässerten Niedermoorböden Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten, so dass ein Betreten von Mitte Februar bis Ende Juni verboten ist. Die abwechslungsreiche Landschaft des „Kaiserwinkel“ bietet mit seinem Grünland, Hochstaudenfluren, Großseggenrieden und Erlenbruchwälder Platz für Weißstörche und Kraniche, aber auch für Neuntöter und Schlagschwirl. Durch Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines gleichmäßig hohen Grundwasserstands, wie etwa die Fällung von früher häufigen Pappeln und die Errichtung von Staubauwerken in den Fanggräben, wird die Vernässung des Gebiets beschleunigt. Nur ein Teil der Flächen wird eingeschränkt land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Giebelmoor

Auch das Naturschutzgebiet „Giebelmoor“, unterteilt in Kleines und Großes Giebelmoor, befindet sich mit einer Gesamtfläche von 670 Hektar zwischen den Ortschaften Rühen und Kaiserwinkel im Landkreis Gifhorn. Gekennzeichnet ist das Gebiet durch seine auf teilentwässertem Niedermoor stehenden Feuchtwälder, die sich hauptsächlich aus Erlen- und Birkenbruchwäldern zusammensetzen. Kleinflächig sind auch Traubenkirschen-Erlen-Eschenwälder zu finden. Seit 1972 gehören Teile des Giebelmoores zur Landesforst. Seitdem haben die Niedersächsischen Landesforsten das Naturschutzkonzept konsequent weiterentwickelt. So soll auch die langfristig unberührte Feuchtwaldfläche von derzeit 160 Hektar auf 650 Hektar erhöht werden. Denn genau das macht das Giebelmoor so besonders: seine zum Teil fast urwaldartige Struktur. Dieses als Naturwaldreservat ausgewiesene Gebiet mit großen Anteilen an Totholz bietet zahlreichen gefährdeten Tierarten wie seltenen Vögeln und Schmetterlingen einen Lebensraum. Auch das Giebelmoor gehört vollständig zum FFH-Gebiet 92 „Drömling“ und zum EU-Vogelschutzgebiet V 46 „Drömling“.

Wendschotter und Vorsfelder Drömling

609 Hektar macht das Naturschutzgebiet „Wendschotter und Vorsfelder Drömling“ auf dem Gebiet der Stadt Wolfsburg aus, das östlich von Vorsfelde im Aller-Urstromtal gelegen ist. Geprägt ist das Landschaftsbild von artenreichen Feucht- und Nasswiesen, die vorwiegend extensiv als Grünland bewirtschaftet werden. Wassergefüllte Gräben mit Röhricht und Weidengebüsch sowie Erlenbruchwälder gliedern die Wiesen kleinräumig. Die Niedermoorschicht bedeckt großflächig mit 25 bis 90 Zentimetern Auflage das Naturschutzgebiet. Neben Kranich, Weißstorch, Schwarzstorch und Graureiher findet man hier auch den Großen Brachvogel, Kiebitz, Bekassine, Wachtelkönig und Wiesenpieper. Sie leben ganzjährig hier oder nutzen das Gebiet als Brut-, Rast und Nahrungsbiotop. Viele Pflanzenarten finden hier ihre Grenzen der westlichen beziehungsweise östlichen Verbreitung, so existieren zum Beispiel die Glänzende und die Gelbe Wiesenraute nebeneinander im Drömling. Fast vollständig gehört das Schutzgebiet „Wendschotter und Vorsfelder Drömling“ zum FFH-Gebiet „Drömling“ und zum EU-Vogelschutzgebiet „Drömling“.

Allerauenwald im Drömling

Mit einer Fläche von 94,7 Hektar ist das Naturschutzgebiet „Allerauenwald im Drömling“ im Landkreis Helmstedt nördlich von Danndorf im Naturraum Weser-Aller-Flachland beheimatet. Die nördliche Begrenzung ist vom begradigten Flusslauf der Aller gegeben. Als Besonderheit des Schutzgebietes gilt der Eichen-Hartholzauenwald mit hohem Eichen- und Flatterulmenanteil, der durch Traubenkirschen-Erlen-Eschenauenwald und Eichen-Hainbuchenwälder vervollständigt wird. Der Mittelspecht ist ein typischer Bewohner der Eichenbestände. Damit größere Hochwasser den Auenwald wieder überschwemmen können und sich der Hartholzauenwald natürlich entwickeln kann, wurden 2008 die Deiche an mehreren Stellen geschlitzt. Zudem wurde das gesamte Naturschutzgebiet im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Niedersächsischer Drömling“ durch die Niedersächsischen Landesforsten als Naturwald ausgewiesen.

Auch dieses Naturschutzgebiet ist zum Teil deckungsgleich mit dem FFH-Gebiet 92 „Drömling“ sowie dem EU-Vogeschutzgebiet V 46 „Drömling“.

Zukünftig soll das Naturschutzgebiet zum Naturschutzgebiet „Südlicher Drömling“ ausgeweitet werden. Die Beschlussfassung durch den Kreistag ist für März 2017 vorgesehen. Zudem ist die Einrichtung eines nördlich angrenzenden Naturschutzgebiets „Politz mit Hegholz“ in der Planung.

Landschaftsschutzgebiete

Bereits 1966 wurde das niedersächsische Landschaftsschutzgebiet Drömling eingerichtet. Seine Ausdehnung reicht von Grafhorst über Rühen und Giebel bis nach Parsau. 32,8 Hektar liegen auf dem Gebiet der Stadt Wolfsburg. Als weitere Landschaftschutzgebiete sind die Gebiete „Kaiserwinkel“ und „Lütjes Moor“ ausgewiesen.

Ausflugsmöglichkeiten

Die Verwaltung des Naturschutzgroßprojekts „Niedersächsischer Drömling“ obliegt dem Landkreis Gifhorn – Fachbereich Umwelt. Auf ausgewiesenen Wegen kann man die Vielfalt des Drömling kennenlernen und sich an der Schönheit der Natur erfreuen. Zahlreiche Informationstafeln finden sich entlang des circa 20 Kilometer langen „Rad- und Wanderweges Niedersächsischer Drömling“, so dass man auch auf nicht geführten Touren interessante Einblicke in das Naturschutzgroßprojekt erhalten kann. Auch Informationen zu einigen der durchgeführten Maßnahmen werden zur Verfügung gestellt.

Bewerbung als UNESCO-Biosphärenreservat

Nachdem von 2002 bis 2012 die Landkreise Gifhorn und Helmstedt sowie die Stadt Wolfsburg gemeinschaftlich das Naturschutzprojekt „Niedersächsischer Drömling“ auf einer Fläche von rund 4.300 Hektar durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen haben, entschieden sich die Landesregierungen von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen in einer gemeinsamen Kabinettssitzung am 4. März 2014 dazu, eine länderübergreifende Arbeitsgruppe zu bilden, um die Rahmenbedingungen für einen Antrag an die UNESCO auf Anerkennung des Drömling als Biosphärenreservat zu erarbeiten.

Mehr zur Bewerbung des Drömling als UNESCO-Biosphärenreservat lesen Sie im Artikel „Drömling soll UNESCO-Biosphärenreservat werden“ auf regionalHeute.de.

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