Die Biotonne im Fokus

Den richtigen Umgang mit der Biotonne haben noch nicht alle Menschen verinnerlicht. Foto: Alexander Dontscheff
Obwohl es bereits seit über drei Jahren eine Pflicht für die Nutzung der Biotonne gibt, wird sie vielerorts noch ignoriert. Und dabei kann man bei sorgfältiger Mülltrennung nicht nur etwas für die Umwelt tun, sondern unter Umständen einiges an Geld einsparen.

Biomüll stellt einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz dar. Er kann nicht nur auf dem eigenen Komposthaufen zu wertvollem Humus umgesetzt werden, sondern in Biovergärungsanlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Aus den Resten kann dann wiederum wertvoller Dünger und Erde entstehen. Ein sinnvoller Kreislauf also.

Doch woran liegt es, dass viele Menschen ihren Müll immer noch nicht trennen? Am Aufwand? Am finanziellen Aspekt? An zu wenig Aufklärung? Dabei ist Biomüll sammeln gar nicht so schwer.

Biomüll sammeln

Ja, er ist oft nass und wenn man ihn zu lange lagert fangen die Speisereste, Garten- und Küchenabfälle an zu müffeln. Doch mit ein paar Tipps kann man diese Unannehmlichkeiten umgehen.

Am wenigsten Gelegenheit dazu vor sich hin zu „stinken“, haben die Abfälle, wenn man sie zum Beispiel in der Küche in einem Gefäß sammelt, das täglich in die Biotonne entleert wird. Sammelt man hingegen seinen Bioabfall in einem separatem Abfallbehälter über mehrere Tage hinweg, so sollte man den Behälter mit einer geringen Menge unbuntem Zeitungspapier auskleiden. Das Papier saugt die Feuchtigkeit auf und macht das Entleeren des Behältern einfacher.

Wichtig ist zudem auch beim Biomüll Hygiene walten zu lassen. Gerade im Sommer sollte darauf geachtet werden, den Behälter in kurzen Abständen zu leeren und zu reinigen. Ein verschließbarer Behälter verhindert das massenhafte Auftreten von Fruchtfliegen und beugt Madenbefall vor. Zusätzlich kann man Speisereste in Zeitungspapier einwickeln.

Was genau in die Biotonne darf und was nicht, das unterscheidet sich von Kommune zu Kommune und liegt an der jeweiligen Weiterverarbeitung und -verwertung des Abfalls. Informationen dazu halten die zuständigen Abfallwirtschaftsbetriebe bereit.

Kein „Bio-Plastik“ in die Biotonne

Überall im Handel gibt es sogenannte „Bio-Plastiktüten“ zu kaufen. Diese haben jedoch nichts in der Biotonne verloren. Auch wenn es für den Hausgebrauch zum Sammeln der Speisereste und Küchenabfälle eine saubere Sache zu sein scheint, so bringt dieser Bioplastik spätestens in den meisten Kompost- und Biogasanlagen einige Probleme mit sich. Dort müssen die Biotüten nämlich wie herkömmliche Plastiktüten als Störstoff wieder aussortiert werden. Wer stattdessen auf Zeitungspapier oder Bioabfalltüten aus Altpapier zurückgreift, macht es zum einen den Kompostwerken einfacher und spart auch noch Geld. Viele Abfallwirtschaftsbetriebe weisen zudem darauf hin, dass bei unsachgemäßer Befüllung der Biotonne (und dazu gehört auch das Befüllen mit Bioplastiktüten), diese ungeleert stehen bleibt.

Wie bleibt die Tonne sauber?

Damit die Biotonne selbst nicht zum unliebsamen Übel wird, sei es durch Geruch oder gar durch Maden, braucht es nur ein paar Handgriffe: immer wieder trockenes Material wie Laub oder kleine Mengen Zeitungspapier zwischen das feuchte Abfallmaterial einschichten, die Biotonne an einem schattigen, kühlen Platz aufstellen und regelmäßig nach der Entleerung reinigen. Und ganz wichtig: Deckel geschlossen halten! Noch mehr Tipps – gerade zum Umgang mit der Biotonne zur Sommerzeit – erhalten Sie hier:

Tipps gegen Mief und Maden – Die Biotonne im Sommer

Müll trennen – Geld sparen

Was viele derer, die ihren Müll nicht trennen, nicht im Blick haben: Mit Mülltrennung kann man bares Geld sparen. In Bezug auf Bioabfälle heisst das im Durchschnitt 50 Prozent. Laut Angaben des NABU machen Bioabfälle nämlich etwa 50 Gewichtsprozent des Restmülls aus. Trennt man den Biomüll vom Restmüll, kann man also in der Regel eine deutlich kleinere und kostengünstigere Restabfalltonne bestellen. Das macht sich nicht nur für Eigenheimbesitzer bemerkbar. Auch Mieter können bei der Nebenkostenabrechnung dadurch Geld sparen.

Biotonne Pflicht?

Doch wie steht es eigentlich um die Pflicht, eine Biotonne zu benutzen. In vielen Städten und Gemeinden wird den Bürgern die Nutzung der Biotonne immer noch als freiwillige Zusatztonne zur Verfügung gestellt. Heißt, die Pflicht eine Biotonne zu bestellen, kann durch die Anzeige einer Eigenkompostierung auf dem eigenen Grundstück umgangen werden.

In unserer Region stellt lediglich Wolfsburg eine Ausnahme dar: Dort gibt es die Biotonne beziehungsweise den Bioabfallsack als Komplettsystem: In den monatlichen Gebühren der Behälter- und Sacksysteme sind zusätzlich zum Restabfallsack oder zur Restabfalltonne ein der Größe entsprechender Bioabfallsack oder -tonne sowie eine Altpapiertonne enthalten. So kann jeder für sich das System mit dem passenden Volumen auswählen.

Und noch eine Ausnahme gibt es: Während die Biotonne überall in unserer Region flächendeckend angeboten werden sollte, so gibt es tatsächlich im Landkreis Goslar einige Bereiche, die als sogenanntes „Kein Biotonnengebiet“ zählen. Hier müssen die Bürger ihren Biomüll noch selbst auf die Deponien bringen oder ihn tatsächlich in die Restmülltonne entsorgen.

Hintergrund

Mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) setzt Deutschland die Abfallrahmenrichtlinie der EU in nationales Recht um. Das Gesetz verpflichtet in Paragraph 11 Absatz 1 KrWG seit dem 1. Januar 2015 Abfallerzeuger und öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger dazu, Bioabfälle getrennt zu sammeln. Dies bezieht sich sowohl auf Garten-, Park-und Landschaftspflegeabfälle als auch auf Nahrungs- und Küchenabfälle. Damit muss auch den privaten Haushalten seither ermöglicht werden, Bioabfälle getrennt von Restmüll und gelber Tonne entsorgen zu können, vorzugsweise durch die haushaltsnahe Biotonne. Für die Umsetzungskontrolle des Gesetzes ist das jeweilige Bundesland zuständig.

Aus NABU-Sicht müssen Bioabfälle künftig möglichst vollständig wiederverwertet werden: Bundesweit könnten über vier Millionen Tonnen wertvoller Bioabfälle pro Jahr zusätzlich über die Biotonne gesammelt werden und damit Strom und Wärme sowie hochwertige Erde erzeugt werden. Das würde die aktuell gesammelte Menge von 4,8 Millionen Tonnen fast verdoppeln und einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz leisten. „Die Abfallwirtschaft hat sich viel zu lange auf der Müllverbrennung ausgeruht und verschenkt hier enorme Möglichkeiten zum Klimaschutz. Wir brauchen deutschlandweit ein Holsystem, mit dem Bioabfall in einer separaten Mülltonne bei den Bürgerinnen und Bürgern abgeholt wird“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

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