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Das Duale System in der Region

Alle zwei Wochen stehen die Gelben Säcke am Straßenrand. Foto: Archiv / Max Förster
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Der Gelbe Sack, wer kennt ihn nicht. Doch wie ist das duale System aufgebaut? Was gehört in den Gelben Sack? Und wer ist für die Entsorgung des Verpackungsmülls verantwortlich? Hier erfahren Sie es.

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„Auf der Grundlage der Verpackungsverordnung des Bundes riefen Verpackungshersteller, Konsumgüterindustrie und private Entsorgungsunternehmen 1991 das sogenannte Duale System Deutschland (DSD) ins Leben, damit Verpackungsabfälle getrennt entsorgt und möglichst dem Recycling zugeführt werden. Inzwischen konkurrieren mehrere dieser dualen Systeme miteinander und sind Auftraggeber dieser Entsorgungsleistung“, erläutert Ralf Schmidt, Pressesprecher der Stadt Wolfsburg.

Der Verbraucher zahlt die Entsorgung mit

„Im Zuge der Umsetzung der Verpackungsverordnung haben sich Duale Systeme etabliert, die dem Handel angeboten haben, für ihn die Entsorgung des Verpackungsmülls zu übernehmen. Für die Entsorgung des Verpackungsmülls zahlt der Handel an die Dualen Systeme sogenannte Lizenzentgelte, die man vereinfacht als Entsorgungsgebühren bezeichnen kann. Diese Lizenzentgelte werden selbstverständlich vom Handel in die Produktpreise einkalkuliert. Das bedeutet, dass die Verbraucher mit dem Kauf eines jeden Produktes auch bereits die Entsorgung der Verpackung mit bezahlt haben“, so Brigitta Saal, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit der Abfallwirtschafts- und Beschäftigungsbetriebe (A + B) im Landkreis Peine.

Die Dualen Systeme wiederum entsorgten die Verpackungen nicht selbst, sondern beauftragten für diese Aufgaben Entsorgungsunternehmen, die sich im Rahmen einer Ausschreibung um die Aufträge bemühen müssten. Dabei gäben die Dualen Systeme die Bedingungen für die Erfassung der Verpackungsabfälle bei den Bürgerinnen und Bürgern vor.

Regionale Unterschiede

„In Braunschweig werden Verpackungsabfälle aus Metall, Verbund- und Kunststoffen ausschließlich über Wertstofftonnen gesammelt“, erklärt Gerald Gaus, Abfallberatung und Beschwerdemanagement bei der ALBA Braunschweig GmbH. „Nach der Sortierung in bis zu 13 Fraktionen (Metalle, Aluminium, Folien, diverse Kunststoffarten und Verbunde) werden die Wertstoffe in Recyclinganlagen stofflich wiederverwertet. Besonders ist in Braunschweig, dass in die Wertstofftonnen auch stoffgleiche Nichtverpackungen aus Kunststoffen und Metallen gehören, wie zum Beispiel Putzeimer aus Plastik oder Kochtöpfe aus Metall. Dies reduziert das Restmüllvolumen und fördert die Wiederverwertung“, so Gaus. Die Wertstofftonne gibt es in den Größen 120 Liter und 240 Liter sowie für Großanlagen als 1.100-Liter-Behälter. Die 120 und 240 Liter-Tonnen würden alle vier Wochen einmal geleert. Für die Wertstoff-Großbehälter erfolge eine zweiwöchentliche Leerung. Die ALBA Braunschweig GmbH liefere die Wertstofftonne an alle Grundstückseigentümer im Stadtgebiet. Die Aufstellung und Leerung der Wertstofftonnen und -behälter erfolge kostenlos. „Das Tonnenvolumen wird anhand der Anzahl der auf dem Grundstück wohnenden Personen festgelegt. Sollte das Volumen nicht ausreichen, können Grundstückseigentümer weitere Wertstofftonnen bestellen“, betont Gerald Gaus.

Wertstofftonne Gelber Sack Duales System Foto: Alexander Dontscheff

Wertstofftonnen stehen nicht überall zur Verfügung. Foto: Archiv / Alexander Dontscheff

Für die Entsorgung stehen den Gifhornern gelbe Säcke zur Verfügung. Diese werden alle zwei Wochen abgeholt und werden in den Gemeindebüros oder im Einzelhandel ausgegeben. Dabei ist zu beachten, dass die Ausgabe häufig auf zwei bis drei Rollen pro Haushalt und Abholung limitiert ist. Für Großwohnanlagen gibt es auf Antrag auch gelbe Container, die alle zwei Wochen geleert werden. Wichtig für die Mülltrennung ist, dass Kunststoffe, die nicht Teil des Dualen Systems sind, in die Restmülltonne gehören, hebt Präger, Fachbereichsleitung im Landkreis Gifhorn, hervor.

Für die Entsorgung der gelben Säcke ist im Landkreis Helmstedt die Firma ALBA, Braunschweig beauftragt. Das teilte der Landkreis auf Anfrage mit. Die Firma ALBA stelle den Verteilstellen im Landkreis – den Rathäusern der einzelnen Kommunen – die gelben Säcke zur Verfügung. Dort werden größtenteils pro Person zwei Rollen ausgegeben. Wie Sergej Landmann, Niederlassungsleiter Braunschweig der ALBA Niedersachen-Anhalt GmbH, gegenüber regionalHeute.de bestätigt, werden die Säcke über die Ausgabestellen limitiert. „Wir haben anhand bundesweiter Erfahrungswerte – etwa der tatsächlich eingesammelten vollen Säcke – die Zuteilung errechnet. Demnach soll jeder Haushalt pro Jahr zwei Rollen á 13 Säcke bekommen“, erklärt Landmann. In der Praxis bedeutet das: Ein Sack muss für zwei Wochen reichen. Man habe die Erfahrung gemacht, dass die Säcke unkontrollierter Abgabe zweckentfremdet würden, etwa zum Sammeln anderen Mülls oder Abklebens von Fenstern. Dem wolle man Einhalt gebieten. Zumal die Kosten letztendlich wieder beim Verbraucher landeten, da Entsorgung und Recycling über den Preis des Produktes mitfinanziert würden.

In Peine sammelt  A+B die Verkaufsverpackungen in einem einheitlichen System, dem Gelben Sack, und überlässt sie den Dualen Systemen zu weiteren Verwertung. „Die Abholung erfolgt alle vier Wochen. Die Verteilung an die Haushalte erfolgt über ein Verteilersystem mit zirka 80 Verteilstellen (A+B, Wertstoffhöfe, Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Einzelhandel) im gesamten Landkreis. Die Ausgabe erfolgt nicht kontingentiert, aber auf Nachfrage jeweils nur nach Haushaltsbedarf ein bis zwei Rollen mit 13 Säcken je Rolle. Der Bürger hat also die Möglichkeit, sich jederzeit seinem Bedarf entsprechend mit Gelben Säcken zu versorgen. Der Bedarf ist je nach Haushalsgröße und Verbraucherverhalten sehr unterschiedlich“, erklärt Brigitta Saal.

Da in den Säcken nur Leichtverpackungen mit geringem Gewicht gesammelt würden, wurden die Ansprüche an die Reißfestigkeit niedrig gehalten, auch um einem Missbrauch der Säcke vorzubeugen. Aus dem gleichen Grund seien sie transparent. So könnten die Mitarbeiter, die die Gelben Säcke einsammeln, besser beurteilen, ob diese richtig befüllt wurden. „Wird bei der Abholung festgestellt, dass die Säcke falsch befüllt wurden, werden diese nicht mitgenommen, sondern mit einem Aufkleber versehen, der den Verursacher, sofern dieser zugeordnet werden kann, zu einer Nachsortierung auffordert“, heißt es. Bei Kunststoffen zum Beispiel handelt es sich um die sogenannten stoffgleichen Nicht-Verpackungen (Kunststoffwannen, -gießkanne und anderes). Dies sind keine Verpackungen und gehören somit auch nicht in den Gelben Sack, werden aber von den Bürgern oft intuitiv über den Gelben Sack entsorgt, da die Trennung von Verpackungen und Nicht-Verpackungen für den Bürger wenig verständlich ist“, verdeutlicht Saal.

„Im Landkreis Wolfenbüttel gibt es für die haushaltsnahe Entsorgung von Wertstoff- und Plastikmüll nur das System der Gelben Säcke. Vereinzelnd in sehr geringer Anzahl gibt es in Großwohnanlagen durch Bestandsschutz auch 1,1 Kubikmeter fassende gelbe Behälter“, erklärt Ilona Binkowski, Leiterin der Abfallwirtschaft im Landkreis Wolfenbüttel. Laut Binkowski könne aus Sicht des Landkreises jeder Bürger entsprechend seines Verbrauchs Gelbe Säcke nach Bedarf befüllen. Für die Ausgabe sowie die Entsorgung sei die Firma ALBA Niedersachen-Anhalt GmbH zuständig. Die Ausgabe der Gelben Säcke in der Landkreis-Verwaltung sowie in den Verwaltungen der Mitgliedsgemeinden sei ein freiwilliger Service für die Einwohnerinnen und Einwohner im Landkreis.

In Wolfsburg ist seit 2017 die Fehr Umwelt Ost GmbH für die Entsorgung von Wertstoffmüll zuständig. Diese erfolgt sowohl über gelbe Säcke als auch mittels größerer Tonnen. Bei der Entsorgung von potenziell verwertbaren Abfällen sei zu unterscheiden, ob es sich um Verpackungsabfälle oder stoffgleiche Nichtverpackungsabfälle handele. Verpackungsabfälle aus Kunststoffen, Verbundstoffen und Metallen würden in Wolfsburg in gelben Säcken sowie in verdichteter Bebauung auch in gelben Müllgroßbehältern erfasst. Dabei handele es sich um eine duale (zweite), privatwirtschaftlich betriebene Abfallabfuhr neben der kommunalen Abfallentsorgung (Restmüll, Biomüll und Altpapiertonne). Eine Miterfassung von stoffgleichen Nichtverpackungsabfällen über gelbe Säcke oder gelbe Tonnen finde in Wolfsburg nicht statt.

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